Viele Unternehmen gehen davon aus, dass ihre Daten in der Cloud sicher sind, weil ein großer Anbieter dahintersteht. Die Nachrichten aus dem Nahen Osten zeigen, wo diese Annahme an ihre Grenze kommt. Im Video oben ordne ich das kurz ein. In diesem Beitrag schauen wir nüchtern auf die Fakten und darauf, was ein mittelständisches Unternehmen in Deutschland daraus ableiten sollte.
Was passiert ist
Im Frühjahr 2026 haben iranische Drohnenangriffe im Zuge des Iran-Kriegs Rechenzentren von AWS beschädigt. AWS ist die Cloud-Sparte von Amazon und einer der größten Anbieter von Rechenleistung aus der Cloud. Betroffen waren Standorte in Bahrain und in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Am 15.09.2026 berichtete heise online, dass AWS die Daten in mehreren dieser Rechenzentren endgültig verloren gibt. Konkret geht es um alle drei sogenannten Availability Zones in Bahrain und eine Zone in den Emiraten. Eine Availability Zone ist ein eigenständiger Rechenzentrumsstandort innerhalb einer Cloud-Region. Wer seine Daten ausschließlich in einer dieser Zonen gespeichert hatte, bekommt sie von AWS nicht zurück. AWS verweist betroffene Kunden auf ihre eigenen Backups.
In meinem Umfeld habe ich von einem international tätigen Unternehmen gehört, das einen Großteil seiner Arbeitsdaten in der Region gehostet hatte, weil sie geografisch günstig zwischen Europa und Asien liegt. Ein Backup außerhalb dieser Region gab es offenbar nicht. Monate nach dem Angriff wird dort immer noch versucht, Daten zu retten.
Warum das auch dich betrifft
Ein deutscher Mittelständler hat seine Daten selten in Bahrain. Die Lehre ist trotzdem allgemein. Ein Rechenzentrum kann ausfallen, ob durch Krieg, Brand, Hochwasser oder einen Stromausfall. Dazu kommen Risiken, die viel häufiger eintreten, etwa ein Verschlüsselungsangriff oder ein versehentlich gelöschter Ordner.
Die entscheidende Frage ist deshalb, was passiert, wenn dein Anbieter kurz oder dauerhaft ausfällt.
Wer für deine Daten verantwortlich ist
Große Cloud-Anbieter arbeiten nach dem Modell der geteilten Verantwortung. AWS beschreibt das so: Der Anbieter schützt die Infrastruktur, also Gebäude und Hardware. Der Kunde ist für das verantwortlich, was er in der Cloud betreibt, einschließlich der Verwaltung seiner Daten.
Bei Microsoft 365 ist das Prinzip vergleichbar. Microsoft sorgt dafür, dass der Dienst läuft. Ob eine gelöschte Datei oder ein verschlüsseltes Postfach wiederherstellbar ist, hängt von deinen eigenen Einstellungen und Sicherungen ab. Welche Lücken es dabei gibt, beschreiben wir ausführlich im Beitrag zum Backup für Microsoft 365.
So sicherst du deine Cloud-Daten ab
1. Mach eine Bestandsaufnahme
Schreib auf, welche Daten in welchem Dienst liegen: Dateien, E-Mails, Warenwirtschaft, Buchhaltung, CRM. Notiere dazu, in welchem Land oder welcher Region der Anbieter die Daten speichert. Viele Unternehmen stellen dabei fest, dass sie gar nicht genau wissen, wo ihre Daten liegen.
2. Leg fest, wie lange du ohne ein System auskommst
Nicht jedes System ist gleich wichtig. Ohne das Intranet kommst du vielleicht eine Woche aus. Ohne die Warenwirtschaft, über die Aufträge und Rechnungen laufen, oft nur Stunden oder wenige Tage. Diese Zeit nennt man Wiederanlaufzeit. Sie bestimmt, wie aufwendig die Sicherung für ein System sein muss.
3. Sichere außerhalb des Anbieters
Ein Backup, das beim selben Anbieter in derselben Region liegt, schützt vor einem gelöschten Ordner. Gegen einen Ausfall des ganzen Standorts hilft es nicht. Bewährt hat sich die 3-2-1-Regel: drei Kopien deiner Daten auf zwei verschiedenen Speichermedien, eine davon an einem anderen Ort. Wie du sie praktisch umsetzt, zeigt unser Artikel zur 3-2-1-Backup-Strategie.
4. Exportiere die wichtigsten Systeme regelmäßig
Bei Fachanwendungen in der Cloud, etwa einem CRM oder einer Buchhaltungssoftware, hast du oft keinen direkten Zugriff auf die Datenbank. Prüfe, welche Exportfunktion es gibt, und richte einen regelmäßigen Export ein, der an einem zweiten Ort abgelegt wird. Im Ernstfall hast du so zumindest deinen Kundenstamm und die offenen Posten.
5. Teste die Wiederherstellung
Ein Backup ist erst dann etwas wert, wenn du daraus wiederherstellen kannst. Spiel mindestens einmal im Jahr durch, wie lange es dauert, ein wichtiges System aus der Sicherung zurückzuholen. Viele Überraschungen zeigen sich erst bei diesem Test, zum Beispiel ein fehlendes Kennwort oder eine Sicherung, die seit Monaten nicht mehr läuft.
6. Halte fest, wer was tut
Wenn ein Anbieter ausfällt, zählt jede Stunde. Leg vorher fest, wer im Ernstfall entscheidet und wie die Mitarbeiter in der Zwischenzeit weiterarbeiten. Eine Vorlage dafür findest du in unserem Beitrag zum IT-Notfallplan.
Ist die Cloud damit die falsche Wahl?
Nein. Die großen Anbieter betreiben ihre Rechenzentren in der Regel sicherer, als es ein mittelständisches Unternehmen mit einem Serverraum im Keller könnte. Der Vorfall zeigt nur, dass auch die beste Infrastruktur nicht jede Gefahr abdeckt. Die Verantwortung für die eigenen Daten lässt sich nicht an den Anbieter abgeben.
Für die meisten Unternehmen in Deutschland ist es sinnvoll, Daten in einer europäischen Region zu speichern und zusätzlich eine unabhängige Sicherung zu haben. Wer seine Daten auf mehrere Standorte verteilt, ist gegen einen einzelnen Ausfall deutlich robuster.
Dein nächster Schritt
Nimm dir heute eine halbe Stunde für dein wichtigstes System und beantworte diese Fragen schriftlich:
- Wo liegen die Daten?
- Wo liegt die letzte Sicherung?
- Wann wurde zuletzt eine Wiederherstellung getestet?
- Wie lange kommt ihr ohne dieses System aus?
Wenn du eine der Antworten nicht kennst, ist das dein Startpunkt. Bei der Bestandsaufnahme unterstützen wir dich gern im Rahmen unseres IT-Fundaments.