Die größte Veränderung an meinem Arbeitsplatz der letzten Jahre ist unscheinbar: Ich tippe deutlich weniger und spreche viel mehr mit meinem Rechner. Mails und Anweisungen an eine KI entstehen bei mir inzwischen fast immer per Sprache. Drei Apps haben sich dabei bei mir durchgesetzt. Im Video oben zeige ich sie im direkten Einsatz. Hier bekommst du den Vergleich zum Nachlesen, mit aktuellen Preisen und einer klaren Empfehlung, welche App zu welchem Zweck passt.
Warum Diktieren mit KI heute funktioniert
Diktieren gab es schon lange, nur war es mühsam. Man musste jedes Komma ansagen, Fachbegriffe wurden falsch erkannt, und am Ende hat man doch wieder alles abgetippt. Heute arbeiten zwei Schritte zusammen. Zuerst wandelt ein Spracherkennungsmodell deine Stimme in Text um. Danach glättet auf Wunsch ein Sprachmodell den Text und formt aus deinem gesprochenen Gedanken eine lesbare Mail mit Satzzeichen und ohne Füllwörter.
Für den Alltag heißt das: Du sprichst so, wie du denkst, und bekommst einen Text, den du nur noch kurz prüfst. Wer viel schreibt, gewinnt damit jeden Tag spürbar Zeit.
Wispr Flow: der bequeme Allrounder
Wispr Flow ist die App, die viele zuerst kennenlernen, weil sie auf LinkedIn und in Tech-Kreisen sehr präsent ist. Ich habe sie lange und intensiv genutzt, auch mit mehreren Konten parallel.
Die Stärke liegt in der Bequemlichkeit. Du installierst die App, drückst eine Taste, sprichst, und der Text landet dort, wo dein Cursor steht. Namen und Fachbegriffe erkennt Wispr Flow sehr zuverlässig, bei mir sogar ungewöhnliche Kundennamen. E-Mails formuliert die App auf Wunsch gleich passend aus. Inzwischen gehört auch ein Notizwerkzeug für Besprechungen dazu.
Wispr Flow läuft auf Mac, Windows, iPhone und Android und synchronisiert zwischen den Geräten. Die Verarbeitung geschieht in der Cloud. Laut Hersteller ist Wispr Flow nach SOC 2 Type II und ISO 27001 zertifiziert, das sind anerkannte Nachweise für Sicherheitsprozesse, und die Daten werden auf Wunsch nicht zum Training der Modelle genutzt.
Der Haken ist der Preis. Die kostenlose Version begrenzt, wie viel du pro Woche diktieren kannst. Die Pro-Version kostet laut Preisseite 12 US-Dollar im Monat bei jährlicher Zahlung und 15 US-Dollar bei monatlicher Zahlung. Das ist es wert, wenn du den ganzen Tag schreibst. Weil es inzwischen gute Alternativen gibt, lohnt sich aber ein Vergleich.
Wispr Flow passt zu dir, wenn du ohne Einrichtung loslegen willst, die App auch auf dem Smartphone brauchst und die Verarbeitung in der Cloud für dich kein Problem ist.
VoiceInk: lokal und einmal bezahlt
VoiceInk nutze ich gerade am meisten, und die App hat mich positiv überrascht. Sie ist aufgeräumt, schnell und hat einen entscheidenden Unterschied: Die Spracherkennung läuft komplett auf deinem Rechner. Deine Aufnahme verlässt den Mac nicht.
Dafür nutzt VoiceInk lokale Modelle wie Whisper von OpenAI oder Parakeet von Nvidia. Bei mir läuft die Erkennung mit Parakeet praktisch in Echtzeit. Zusätzlich kannst du Modi anlegen, zum Beispiel einen Modus für E-Mails, der den Text anders aufbereitet als einen Modus für kurze Notizen.
Für das Glätten des Textes kannst du wählen. Entweder bleibt auch dieser Schritt lokal, oder du schaltest eine Cloud-KI dazu, etwa über einen eigenen Zugang bei OpenAI. Laut Hersteller wird dann nur der fertige Text übertragen, nicht die Sprachaufnahme. So bekommst du bei Mails die bessere Formulierung und behältst trotzdem die Kontrolle darüber, was dein Gerät verlässt.
VoiceInk ist quelloffen, der Code liegt öffentlich auf GitHub. Gekauft wird die App trotzdem, und zwar einmalig ohne Abo. Laut Herstellerseite kostet die Lizenz für ein Gerät 25 Euro, für zwei Geräte 39 Euro und für drei Geräte 49 Euro. Nach zwei bis drei Monaten Wispr Flow hättest du VoiceInk also dauerhaft bezahlt.
Die Einschränkung: VoiceInk gibt es nur für macOS und iOS. Auf dem Mac brauchst du einen Rechner mit Apple-Chip und macOS 14.4 oder neuer. Für Windows-Arbeitsplätze fällt die App damit weg.
Spokenly: kostenlos und flexibel
Spokenly habe ich ebenfalls lange genutzt. Optisch ist es für mich die schwächste der drei Apps, die Oberfläche wirkt stellenweise unnötig verschachtelt. Funktional steckt aber viel drin.
Mit lokalen Modellen wie Whisper und Parakeet ist Spokenly kostenlos und ohne Registrierung nutzbar. Du kannst unbegrenzt offline diktieren. Auf dem Mac nimmt Spokenly außerdem Besprechungen auf und transkribiert ganze Audiodateien, das habe ich schon oft genutzt. Die App gibt es für macOS, Windows, Linux und das iPhone.
Wer Cloud-Modelle nutzen will, hinterlegt einen eigenen Schlüssel bei einem KI-Anbieter und zahlt dann direkt dort. Eine Pro-Version mit verwalteten Cloud-Modellen gibt es laut Hersteller für 9,99 Euro im Monat. Beim Einrichten wird sie prominent angeboten. Für meinen Einsatz habe ich sie nie gebraucht.
Wenn du viele E-Mails schreibst, musst du dich bei Spokenly etwas intensiver mit den Modi beschäftigen, bis die Texte so aussehen, wie du sie willst. Für Anweisungen an eine KI, also fürs Prompting, reicht die Grundausstattung dagegen völlig aus.
Welche App für welchen Einsatz
| Einsatz | Empfehlung |
|---|---|
| Du sprichst vor allem mit KI-Werkzeugen und willst nichts bezahlen | Spokenly mit lokalem Modell |
| Du schreibst viele Mails, willst lokal arbeiten und kein Abo | VoiceInk |
| Du willst sofort loslegen, auch auf Windows und dem Smartphone | Wispr Flow |
| Datenschutz hat Vorrang vor allem anderen | VoiceInk oder Spokenly, beide komplett lokal |
Was Unternehmen vor dem Einsatz klären sollten
Im privaten Gebrauch ist die Wahl schnell getroffen. Im Unternehmen kommen ein paar Fragen dazu. Diktierst du Kundendaten oder Personalthemen in eine Cloud-App, verarbeitet ein externer Anbieter personenbezogene Daten. Dann braucht ihr einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung mit dem Anbieter und eine klare Regel, was diktiert werden darf. Lokale Apps vermeiden dieses Problem weitgehend, solange auch die Textverbesserung lokal bleibt.
Klärt außerdem, wer die Lizenzen verwaltet und wie die App auf die Firmenrechner kommt. Eine App, die sich jeder selbst installiert, ist bequem, aber schwer zu überblicken. Wie ihr KI im Unternehmen datenschutzkonform aufstellt, beschreiben wir im Beitrag KI und Datenschutz nach DSGVO. Wenn ihr KI-Werkzeuge im ganzen Team einführen wollt, hilft der Artikel ChatGPT im Unternehmen einführen bei den ersten Schritten.
So testest du die Apps
Installiere zuerst Spokenly mit einem lokalen Modell, das kostet nichts. Diktiere eine Woche lang alles, was du sonst tippen würdest. Wenn du merkst, dass dich vor allem die Qualität deiner Mails stört, teste VoiceInk, der Hersteller gibt 14 Tage Geld-zurück-Garantie. Erst wenn du auch unter Windows oder am Smartphone diktieren willst, lohnt sich der Blick auf das Abo von Wispr Flow. Wie persönliche KI im Alltag deines Teams wirkt, zeigen wir auf unserer Seite zu KI und Automatisierung.